Aus der Geschichte der Pfarrei „Christus König“ Radebeul
"Das Jubeljahr 1925 sollte nicht zu Ende gehen, ohne den Katholiken der Lößnitz die Erfüllung ihres alten Wunsches zu bringen. Der hochw. Herr Bischof Dr. Schreiber hat in Kötzschenbroda ein eigenes Seelsorgeamt errichtet und zum Pfarrer der neuen Gemeinde den bisherigen Geistlichen der Hof- und Propsteikirche Dresden und Leiter der Religionsschule für katholische Mittelschüler Dr. Joseph Just ernannt. Die Errichtung des Seelsorgeamtes bedeutet ein Markstein in der Entwicklung des religiösen Lebens in der Lößnitz." Dies sind die ersten Sätze der ersten Nummer des " Katholischen Gemeindblattes für Radebeul und Umgebung" im Advent 1925.
Bedingt durch die Reformation war das katholische Leben in der Lößnitz fast 400 Jahre lang erloschen. Der letzte katholische Pfarrer Dr. Eisenberg verließ 1539 Kötzschenbroda. Die neue katholische Gemeinde verdankt ihr Entstehen der Tatkraft des ersten Bischofs des 1921 wieder erstandenen Bistums Meißen, Dr. Christian Schreiber, der in wenigen Jahren ungeheuer viel für den Aufbau des Bistums geleistet hat. Kötzschenbroda wurde zunächst von der Hofkirche aus betreut, später durch die Seelsorger der St.-Josephs-Kirche Dresden- Pieschen und, wie so häufig in der sächsische Diaspora, durch katholische Lehrer. Ein katholischer Gemeindeverein hielt die Gemeindeglieder zusammen. Dieser bat Bischof Dr. Schreiber um einen eigenen Seelsorger und um ein eigenes Gotteshaus.
Am 1. September 1925 betraute Bischof Dr. Schreiber Herrn Pfarrer Dr. Joseph Just mit der Seelsorge in Kötzschenbroda. Der Auftrag des Bischofs lautete: "Gehen Sie nach Kötzschenbroda, errichten Sie ein Pfarramt und sorgen Sie für einen religiösen Mittelpunkt beziehungsweise für ein Gotteshaus. Geld habe ich keines."
Mit Wirkung vom 1.1.1926 wurde das Seelsorgeamt Kötzschenbroda errichtet. Am Sonntag, dem 14. Februar 1926 erfolgte in der evangelischen Friedhofskapelle Kötzschenbroda die feierliche Einführung des Pfarrers Dr. Just durch den Erzpriester Bodenburg. Die weltliche Gemeindefeier fand am 18. Februar in der "Goldenen Weintraube" statt. Zum neuen Seelsorgeamt gehörten Kötzschenbroda, Radebeul, Niederlößnitz, Oberlößnitz und 33 Ortschaften von Zitschewig über Moritzburg bis nach Radeburg. Auch Coswig wurde anfangs von Kötzschenbroda aus betreut.
Für regelmäßige Sonntagsgottesdienste stellte die evangelische Friedenskirchgemeinde den Katholiken ihre Friedhofskapelle zu Verfügung. Für die Gläubigen in den Außenstationen wurden unter anderem Gottesdienste im Radeburger Ratskeller, in der Coswiger Kreuzkirche, im Zentralgasthof Weinböhla und später in der Schloßkapelle Moritzburg gefeiert. Da wegen der großen Wohnungsnot keine Unterkunft zu finden war, behielt der Pfarrer fast ein Jahr lang seine Kaplanswohnung im Pfarramt der Hofkirche, Schloßstraße 32. Um Fühlung mit der Gemeinde zu bekommen, sammelte er Laienhelfer und erweiterte den bestehenden Gemeindeverein um einen Mädchenverein, einen Gesellenverein, den Kirchenchor und später um den Frauenbund. Sein Gemeindeblatt erschien zweimal im Monat unter dem Titel "Bausteine" mit dem Leitsatz "Ohn' Gottes Gunst all Bau'n umsunst" und wurde von den Laienhelfern an die fast 1800 Gemeindemitglieder verteilt.
Eine große Hilfe für die Seelsorge war der Zuzug des Tierarztes Dr. Ferdinand Haering. Dieser hatte ein Grundstück in Kötzschenbroda, Heinrichstraße 9, gekauft und bot dem Pfarrer ein Zimmer an, so daß der Pfarrer in seine Kötzschenbrodaer Gemeinde übersiedeln konnte. Im Garten befand sich ein leerstehendes Gebäude, das zu einer Kapelle umgebaut wurde. Am 18. März 1927 erfolgte die Einweihung der St. Joseph geweihten Kapelle, in der nun die täglichen Gottesdienste gefeiert wurden. Für die Sonntagsgottesdienste blieb sie zu klein.
Die Gemeinde war bemüht einen eigenen Kirchbauplatz zu bekommen. Für dieses Ziel, ein eigenes Gotteshaus mit einer Pfarrwohnung zu schaffen, bat Pfarrer Dr. Just in zahlreichen "Bettelbriefen" um Spenden.
Kaplan Opitz von Dresden- Pieschen hatte mit Hilfe seines Schwagers ein Grundstück auf der Meißner Straße 172 erworben, der es der Kötzschenbrodaer Gemeinde zu einem symbolischen Kaufpreis überließ. Jetzt plante man auf diesem Grundstück eine richtige Kirche zu bauen. Die Pläne scheiterten jedoch, weil der Mieter im Grundstück nicht ausziehen wollte. Nach mühevollen Suchen stieß man auf zwei weitere Objekte. Domdekan Hartmann empfahl das Grundstück, Borstrasse 11 zu erwerben. Dieses hatte einst dem Oberhofzeremonienmeister des Deutschen Kaisers gehört, später bewohnte es der Landtagsabgeordnete König, welcher es finanziell nicht behalten konnte. Im Oktober 1927 zog Dr. Just in das neuerworbene Pfarrhaus. Im Erdgeschoß sollte eine Kapelle eingerichtet werden . Es wurde ein Kirchenbauausschuß gegründet, der sofort mit der Planung der Umbauarbeiten begann.
Die Leitung der Bauarbeiten wurde dem bekannten Baumeister Jörissen aus Kötzschenbroda übergeben. Die Ausmalung der Kapelle übernahm der Künstler Donadini, dessen barocke Deckenbemalung große Beachtung fand. Zahlreiche Kunstwerke erhielt Dr. Just zur Ausstattung der Kapelle geschenkt, so auch vom Hause von Schönburg zwei Glasfenster aus dem 15.Jahrhundert. Das eine zeigt die Apostelfürsten Petrus und Paulus, das andere, dreiteilige, die Geheimnisse des Rosenkranzes. Den Flügelaltar überließ Graf von Schönburg dem Pfarrer Joseph Just leihweise zu dessen Lebzeiten. Er stand bis 1860 in der evangelischen Kirche zu Taura bei Burgstädt, wurde, weil zu "katholisch", der Patronatsherrschaft überlassen und nach erfolgter Renovation im Museum der Schloßkirche von Wechselburg aufgestellt. Dr. Just erbat den Altar aus seiner Heimat Wechselburg für seine neue Gemeinde.
Am 4. März 1928 feierten die Katholiken der Lößnitz den Festgottesdienst zur Einweihung der neuen Kapelle, die Christus, dem König geweiht war. Unter großer Beteiligung auch der weltlichen Behörden hielt Erzpriester Bodenburg unter Assistenz von Pfarrer Dr. Just und Pfarrer Behrend aus Coswig die feierliche Benediktion. Die weltliche Feier fand am 8. März 1928 im großen Saal der "Goldenen Weintraube" statt.
Das religiöse Leben der Gemeinde wuchs. Am 10. Juni 1928 fand in Kötzschenbroda die erste Fronleichnamsprozession statt, im November die erste Firmung. Von Retemptoristenpatern aus Böhmen wurde eine Volksmission gehalten. Kirchweihfest, Sommerfest und Fastnachtsvergnügen hatten in der jungen Gemeinde sehr große pastorale Bedeutung.
Das Gebäude Meißner Straße 172, ein altes Winzerhaus, wurde zum Jugendheim ausgebaut. Besonderen Anklang fand der Indianerraum, der nach den Angaben des Leiters des Karl-May- Museums Patty Frank mit einem Kamin und exotischem Inventar versehen wurde. Das war ein Anziehungspunkt für die Jugend aus Dresden und verschiedenen anderen Gemeinden.
Nach Fertigstellung der Christkönigs-Kapelle hielt der Pfarrer Ausschau nach einem kirchlichen Mittelpunkt für Radeburg. Am 15. Juni 1930 konnte die aus einer Werkstatt umgebaute Heilig-Kreuz-Kapelle in Radeburg geweiht werden. Radeburg wurde von Kötzschenbroda aus sehr intensiv betreut.
Am 30.Oktober 1937 wurde das bisherige Seelsorgeamt Kötzschenbroda durch Bischof Petrus Legge zur selbständigen Pfarrei Radebeul mit allen Rechten und Pflichten erklärt.
Während der Zeit der Hitlerherrschaft wurde der Religionsunterricht von der Schule ins Pfarrhaus verlegt. Pfarrer Dr. Just betreute seine Gemeinde durch zahlreiche Hausbesuche. Die Seelsorge wurde durch die Betreuung der Lazarette und Arbeitskommandos sehr umfangreich. In den Arbeitskommandos gab es sehr viele Katholiken - Franzosen, Italiener, Polen und Slowaken. Für sie wurden in der Kapelle regelmäßig Gottesdienste gehalten. Es gab Predigten und Beichte in französicher Sprache bis auch das verboten wurde. Besonders ungern wurde von den Behörden der regelmäßige polnische Gottesdienst gesehen. 1941 wurde der Pfarrer mit der seelsorglichen Betreuung der im Bilz-Sanatorium untergebrachten verwundetet Soldaten beauftragt. Andere Lazarette folgten. Monatlich hielt er Gottesdienst im Gefängnis Radebeul 2 von Ottostraße. Er durfte Beichte hören und Eucharistie feiern.
Durch die Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Gemeindemitglieder auf über 6000. Sechs Außenstationen mußten eingerichtet werden, an denen die Gläubigen Gottesdienst feiern konnten. Für sehr viele "Umsiedler" waren diese Feiern und Zusammenkünfte äußerst wichtig, suchten doch viele eine neue Heimat für Leib und Seele. So wurde auch die Christkönigs-Kapelle in Radebeul zu klein. Deshalb baute die Gemeinde Anfang der 50er Jahre eine ausgediente Baracke als Seitenkapelle an. Sie vergrößerte an den Sonntagen die Kapelle und wurde an den Werktagen, abgetrennt durch eine Harmonikatür, als Gemeinderaum benutzt. Dieses Provisorium war als eine Übergangslösung errichtet worden. Mehrere Pläne und Versuche eines Kirchbaus scheiterten aus unterschiedlichen Gründen.
Im Oktober 1961 ging nach fast 35jähriger Tätigkeit in der von ihm begründeten Gemeinde Dr. Joseph Just in den Ruhestand. Wie er kam auch sein Nachfolger aus Dresden, es war der Kapellknabenpräfekt Rektor Ernst Warg.
Die Kapelle wurde neu gestaltet, durch eine Taufkapelle erweitert und erhielt einen neuen von Architekt Egon Körner entworfenen Altar aus Marmor. Der Flügelaltar wurde in der Taufkapelle aufgestellt. Am 15. März 1964 konsekrierte Bischof Dr. Otto Spülbeck den neuen Altar. Altarkreuz, Tabernakel, Prozessionskreuz, Kreuzweg und Krippe verdankt die Gemeinde dem Görlitzer Künstler Dr. Georg Nawroth.
Erwähnenswert ist die ökumenische Zusammenarbeit mit den beiden evangelischen Kirchgemeinden der Stadt Radebeul. Die regelmäßigen ökumenischen Gottesdienste, Gemeindeabende, Glaubensseminare, Jugendabende und Kindertage gehörten zum kirchlichen Leben der Gemeinde wesentlich dazu. Im Mai 1972 fand - wohl erstmalig im Bereich des Bistums Dresden- Meißen - ein ökumenischer Gottesdienst in der Christkönigskapelle Radebeul statt, bei dem auch die orthodoxe Kirche durch den russisch- orthodoxen Priester aus Dresden, Michael Dandar, vertreten war.
Am 5. Dezember 1982 starb Pfarrer Ernst Warg. Sein Nachfolger wurde Rolf Hock, der am 2.Fastensonntag 1983 durch Dekan Günter Hanisch feierlich in sein Amt eingeführt wurde.
Pfarrer Hock regte eine Belebung der Kirchenmusik in der Gemeinde an. Kirchenchor und Kinderschola wurden neugegründet. Seine Haushälterin Frau Winners übernahm mit großer Kompetenz die Leitung der beiden Chöre. Im Dezember 1986 erfolgte der Einbau einer Kleinorgel, die am vierten Adventssonntag durch Herrn Weihbischof Georg Weinhold feierlich eingeweiht wurde.
Nach der politischen Wende der Jahre 1989/1990 erhöhte sich die Zahl der Gemeindemitglieder durch den Zuzug vieler Familien aus den alten Bundesländern, von Aussiedlern und ausländischen Arbeitern. Besonders erfreulich war die große Zahl junger Familien mit Kindern, die das Bild der Gemeinde spürbar veränderten.
Im August 1996 wurde Pfarrer Rolf Hock in den Ruhestand versetzt. Er übergab am 18.9.1996 die Pfarrei an Pfarrer Dr. Bernhard Dittrich.
Da die Räume der Pfarrei unter den gegebenen Umständen weder pastoralen noch liturgischen Gesichtspunkten genügten, wurden frühere Gedanken zum Umbau oder Neubau der Kapelle wieder aufgegriffen. Am Christkönigsfest 1996 gab die Gemeinde in einer Gemeindeversammlung unter dem Thema " Baut die katholische Gemeinde in Radebeul eine Kirche?" ihre eindeutige Zustimmung zum Kirchbau. Das war der Start für alle weiteren Schritte. Zur fachlichen Beratung und Leitung des Kirchbaus wurde eine Baukommission gebildet. Der neugegründete "Förderkreis Kirchbau" machte es sich zur Aufgabe, die nötigen finanziellen Mittel an Spendengeldern einzubringen und dafür zu werben. Unter acht ausgewählten Architekturbüros wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Nach Tagung des Preisgerichtes am 30. Januar 1998 konnte der erste Preis an das Architekturbüro Behnisch vergeben werden.
Anschließend wurden die Entwürfe der Gemeinde zur Diskussion und Meinungsbildung vorgestellt. Nach Anhörung aller Gremien fiel die Entscheidung, den Auftrag an das Architekturbüro Behnisch zu vergeben. Damit wurde Professor Günther Behnischs Gedanke, eine Kirche zu bauen als ein Ort " an dem es eine Freude ist, Gottesdienst zu feiern, der Weite atmet und ein Lichtquell ist" aufgegriffen.
Im Oktober 1998 wurde Pfarrer Dr. Bernhard Dittrich zum Leiter der Abteilung Pastoral im Bischöflichen Ordinariat berufen. Seine Aufgaben als Pfarrer von Radebeul bewältigte er parallel dazu noch bis zum 28. Februar 1999. Seine Nachfolge trat Pfarrer Peter Dluhosch aus Zittau am 18. April 1999 an. Er übernahm damit die schwierige Aufgabe, den in Planung und Vorbereitung begonnen Kirchbau zu Ende zu führen.
Das erste und für alle sehr eindrucksvolle Zeichen des Baubeginns war der Abriss der Seitenkapelle am 2. Mai 2000. Es folgte der Abriss der Nebengebäude und der erste Spatenstich durch Bischof Joachim Reinelt unter Assistenz von Pfarrer Peter Dluhosch am 18. Mai 2000. Bereits am 1. Juli 2000 konnte Weihbischof Georg Weinhold den Grundstein für die neue Pfarrkirche auf der dreieckigen Bodenplatte legen. Dieser Tag wurde mit einem großen Gemeindefest auf dem Pfarrgrundstück gefeiert. Am 18.Oktober 2000 war Richtfest. Im Dezember begann der Einbau der Glasfenster in den Rohbau. Zahlreiche Helfer aus der Gemeinde übernahmen dabei einen großen Anteil an Eigenleistungen. Am 16. Januar 2001 konnte der Rohbau fertiggestellt werden, der Ausbau zog sich noch bis in den Herbst hinein. Für Entwurf und Ausführung der liturgischen Gegenstände - Altar, Tabernakel, Ambo, Taufbecken und Leuchter konnte der Künstler Rainer Tischendorf gewonnen werden.
Am 21.11.2001 wurde der letzte Gottesdienst in der alten Kapelle gefeiert. Am Patronatsfest Christus König, dem 25.11.2001, dem 75.Jahr der Wiedererrichtung der katholischen Pfarrei Radebeul nach der Reformation wurde die neue Kirche durch Bischof Joachim Reinelt geweiht. Damit ging ein langersehnter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung. Mit großer Freude und Dankbarkeit wurde dieser Tag mit zahlreichen Gästen gefeiert. In der anschließenden Festwoche nahm die Gemeinde Schritt für Schritt von ihrer neuen Kirche Besitz.
Schon im ersten Kirchenjahr wurden in der neuen Pfarrkirche viele lebendige Gottesdienste gefeiert; im neuen Kirchenraum konnte vieles erprobt und neu entdeckt werden. Oft reicht der Platz kaum aus. Bei den Familiengottesdiensten wird besonders deutlich wie sehr die Radebeuler Gemeinde wächst.

